Vereinsgeschichte

FÜR EIN LEBEN OHNE GEWALT

 

Im Juli 1980 gründen engagierte Frauen den Verein „Frauen helfen Frauen e. V. Tübingen“. Der Einstieg in die Arbeit gegen Gewalt an Frauen ist das Angebot telefonischer Beratung, das von ehrenamtlich tätigen Frauen abgedeckt wird. Dank intensiver Öffentlichkeitsarbeit bilden viele Frauen und Männer eine Tilgungsleihgemeinschaft und kaufen im Februar 1982 das Frauenhaus, in dem zwei Monate später die ersten Frauen Zuflucht finden.

 

In Deutschland finden jährlich ca. 36.000 Frauen und Kinder Zuflucht in einem Frauenhaus. Die von ihnen erlebte Gewalt umfasst Abwertung, Drohungen, Einschüchterung, Isolation, Kontrolle, Geldentzug, Einsperren, Schläge, Vergewaltigung und Misshandlung bis zum Mordversuch. Über eine landes- und bundesweite Vernetzung der autonomen Frauenhäuser und das Engagement vieler Aktivistinnen wird das Thema in strafrechtliche und familienrechtliche Gesetzesänderungen eingebracht. Ein Erfolg ist, dass Vergewaltigung in der Ehe Ende 1997 endlich ein Straftatbestand wird.

 

In den 1980er und 1990er Jahren macht der Verein den Bedarf und die Notwendigkeit einer fachlich fundierten Arbeit deutlich. Die Sicherung dieser Arbeit durch bezahlte Stellen kann über die Jahre nur über die zusätzliche Beschaffung von Eigenmitteln erreicht werden.

In die konzeptionelle Weiterentwicklung der Arbeit wird insbesondere auch die Situation der betroffenen Kinder mit aufgenommen. 1989 wird als neuer pädagogischer Schwerpunkt im Frauenhaus ein eigenständiger Mädchen- und Jungenbereich gegründet.

 

Im Juni 2000 startet in Baden-Württemberg ein Modellversuch zum Platzverweis „Rote Karte für Gewalttäter“, was die zeitlich begrenzte Wegweisung eines Gewalttäters aus der Wohnung ermöglicht und an dem sich die Stadt Tübingen beteiligt. Im Rahmen dieses Modellversuches wird in Tübingen der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt gegründet (T.I.P.), an dem Frauen helfen Frauen e.V. von Anfang an aktiv beteiligt ist.

2002 folgt die Bundesregierung den jahrelangen Forderungen aus der Gewaltschutzarbeit und verabschiedet endlich das Gewaltschutzgesetz. Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, können nun ein Näherungs- und Kontaktverbot sowie die Zuweisung der gemeinsamen Wohnung zur alleinigen Nutzung beantragen.

 

Anfang 2002 entschließt sich der Verein wegen des erheblich gestiegenen Beratungsbedarfs eine Beratungsstelle aufzubauen. Trotz fehlender öffentlicher Unterstützung gelingt dies durch Anträge bei Stiftungen und Spenden. Über mehrere Jahre wird die Beratungsstelle ausschließlich aus diesen Mitteln finanziert.

Frauen helfen Frauen hat heute Beratungs- und Verwaltungsräume im Frauenprojektehaus in der Weberstraße 8.

 

Durch die fahrlässige Veröffentlichung der anonymen Frauenhausadresse durch die Telekom im April 2002 muss das bisherige Frauenhaus verkauft werden. Nach der mehrjährigen Arbeit in Übergangswohnungen kann der Verein im Juli 2004 ein neues, größeres Haus erwerben und die Platzzahl für Frauen und Kinder erweitern. Im Mai 2005 können die ersten Frauen in das neue Frauenhaus einziehen.

 

Obwohl aus fachlicher und politischer Sicht sehr viel gegen eine Einzelfallfinanzierung der Frauenhäuser spricht, wird nach langen Verhandlungen mit dem Kreis das Frauenhaus – wie fast alle Frauenhäuser in Baden-Württemberg – auf eine Tagessatzfinanzierung umgestellt. Im Zuge dieser Umstellung finanziert die Stadt Tübingen den Großteil einer Personalstelle in der Beratungsstelle und Stadt und Kreis bewilligen gemeinsam eine 50%-Stelle für die Erstberatung und die Koordinierungsaufgaben im Wohnungsverweisverfahren. Im Januar 2006 nimmt die Interventionsstelle Häusliche Gewalt im Wohnungsverweisverfahren (damals unter dem Namen Koordinierungsstelle Platzverweis) ihre Arbeit auf.

 

Seit der Auflösung des Vereins Nofra (Notruf-Frauen) hat Frauen helfen Frauen e.V. immer wieder auf die Notwendigkeit einer Beratungsstelle zu sexualisierter Gewalt hingewiesen.

Am 25.6.2014 entscheidet der Gemeinderat, zunächst für drei Jahre eine 80% Stelle auszuschreiben. Pfunzkerle e.V. und Frauen helfen Frauen e.V. erhalten die Zusage, diese Stelle gemeinsam für männliche und weibliche Opfer sexualisierter Gewalt aufzubauen.

Seit Juli 2015 können sich Frauen nach einer sexualisierten Gewalterfahrung nun an die Anlaufstelle sexualisierte Gewalt bei Frauen helfen Frauen e.V. und Männer an Pfunzkerle e.V. wenden.

 

Frauen helfen Frauen e.V. ist regional und bundesweit vernetzt. Die Mitarbeiterinnen bieten Fortbildungen und Präventionsangebote an und machen Öffentlichkeitsarbeit gegen Gewalt gegen Frauen.

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